Die Kammgarn-Schreinerei als Wortbühne?!

  • Beitrag veröffentlicht:25. Oktober 2021

Klein und fein war der Kreis der Autorengruppe, der sich unlängst mit Bürgermeisterin und Kulturdezernentin Beate Kimmel als „Laut(r)er Szene No. 3“ in der Buchhandlung Blaue Blume traf. Dieses Mal auf Einladung eines Mitgliedes zustande gekommen, entspann sich schnell eine lebhafte Diskussion rund um die Kultur in der Westpfalzmetropole. Aber auch das „Eingemachte“ kam zur Sprache und mündete in einer großartigen Idee. „Dies zeigt, wie wichtig solche unmittelbaren Eindrücke und der gemeinsame Austausch sind und wie inspirierend diese wirken können“, freute sich Kimmel abschließend.

In Begleitung von Kammgarn-Chef Richard Müller, erläuterte die Bürgermeisterin eingangs die Intention der Laut(r)er Szenetreffs, im lockeren Gespräch mit hiesigen Interessensgruppen und Menschen der verschiedensten Bereiche ins Gespräch zu kommen. „Eine unterschiedliche  Blickrichtung auf die gleiche Herausforderung führt oft zu ganz anderen  Lösungsansätzen und Entwicklungen, von denen beide Seiten profitieren können“, meinte sie, bevor die anwesenden Mitglieder der Lautrer Autorengruppe – Andreas Fillibeck, Murphy Burkhardt sowie Ina Bartenschlager und Stefanie Schmoll – auf die Historie ihrer Gemeinschaft eingingen.

Die informelle Autorengruppe, so war zu hören, umfasse rund ein gutes Dutzend aktiver Mitglieder, das etwa alle sechs Wochen zum gemeinsamen Austausch zusammenkommt. Mit ihrem 45-jährigen Bestehen zähle diese zu den ältesten aktiven Autorengruppen Deutschlands. Bei ihren Treffen werden nicht nur Texte vorgestellt und gemeinsam auf Wirkung und möglichen Fortgang besprochen, es wird auch konstruktive Kritik geübt. Außerdem werden immer wieder Gespräche über gesellschaftliche oder politische Entwicklungen geführt.

Wie bei den vorangegangenen Szenetreffs mit anderen Kulturschaffenden wurde erneut das fehlende Bewusstsein der hier Lebenden für die hiesige Kunst- und Kulturlandschaft kritisiert. Auf diese könnten sie sehr stolz sein, denn für die Größe der Stadt sei sie sehr gut aufgestellt! „Vieles passiert aus privatem Antrieb“, betonten die Autorinnen und Autoren. „Hier gibt es ein riesengroßes Potential, das gar nicht richtig genutzt wird!“ Kunst und Kultur seien weiche Standortfaktoren, deren Bedeutung man sich immer bewusst machen muss.

Schmerzlich vermisst wird aus der Gruppe heraus ebenfalls „ein Portal, das die unterschiedlichen Szenen gemeinsam bündelt“ und das auch auf der Homepage der Stadt verlinkt oder vertreten ist. Diesbezüglich sei sie gerade dabei, mögliche Synergieeffekte mit der Zukunftsregion Westpfalz zu klären, ließ die Kulturdezernentin wissen. Auch die Kritik an der Stadt, bei gemeinsamen Veranstaltungen die freie Szene mehr zu berücksichtigen, nehme sie mit ins Rathaus.

„Aushängeschilder für Kaiserslautern als liebens- und lebenswerte Stadt“, ein entsprechend fehlendes Stadtmarketing sowie der Wunsch der Bürgermeisterin, eine Stadtmarke entwickeln zu können, gestalteten die weitere lebendige Diskussion. Und als schließlich eine mögliche Kulturachse als Zusammenschluss eines geöffneten Hochschulcampus mit der Kammgarn zur Sprache kam, war zeitgleich ein neues Projekt geboren: Ab Januar 2022 soll die Kammgarn-Schreinerei zur Wortbühne werden!

Auch die Rollen für diese Idee waren schnell verteilt: Einem Buchdeckel gleich wird die Kammgarn mit ihrer Location und Personal den entsprechend einladenden Rahmen liefern. Seite für Seite werden dann die anwesenden Mitglieder der Autorengruppe die kommende Veranstaltungsreihe mit Leben füllen. Angedacht sind Lesungen bekannter und noch unbekannter Autorinnen und Autoren, gemeinsam wie alleine. „Zuerst aber wollen wir ein genaues Konzept erarbeiten“, waren sich die Beteiligten einig. Dieses soll auch die Poetry-Slammer aus der Kammgarn-Reihe mit einbinden und: „Selbstverständlich streben wir Veranstaltungen mit Niveau an.“

Die Kammgarn-Schreinerei als Wortbühne?!