Wie lässt sich die Lebensqualität in schrumpfenden Städten verbessern?

  • Beitrag veröffentlicht:9. März 2022

Weltweit gibt es Städte, denen der Rückgang der Bevölkerung zu schaffen macht. Auch die Corona-Pandemie hat bei ihnen Spuren hinterlassen. Wie die Lebensqualität in schrumpfenden Städten verbessert werden kann, ist Thema eines internationalen, interdisziplinären Projektes. Koordiniert wird es von Professorin Dr. Karina Pallagst an der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK). Bei einer internationalen Konferenz, die vom 17. bis 18. März auf dem Campus der TUK stattfindet, werden die Ergebnisse vorgestellt. Zu einer englischsprachigen Podiumsdiskussion am 17. März um 14.30 Uhr im Audimax (Gebäude 42) ist die interessierte Öffentlichkeit eingeladen. Zudem kann sie per Livestream verfolgt werden.

Wie lassen sich Städte revitalisieren, begrünen oder nachhaltig gestalten? Dies ist ein Aspekt des internationalen Forschungsprojekts und ist auch Gegenstand der Tagung. „Das Phänomen der schrumpfenden Städte findet sich weltweit. Es gibt aber keine Patenrezepte, wie Städte damit umgehen sollen. Es kommt vor allem auf die örtlichen Gegebenheiten an. Zudem müssen Städte für neue Ideen und Ansätze offen sein“, sagt Professorin Dr. Karina Pallagst, die an der TU Kaiserslautern zu Internationalen Planungssystemen forscht. 

Thema der Tagung sind auch die Corona-Pandemie und ihr Einfluss auf Gesundheit, Wirtschaft und Bildung. Sie stellen die Stadtentwicklung vor neue Herausforderungen. Dabei ist noch unklar, inwieweit sich die Städte jetzt und in Zukunft verändern und welche Lösungen es braucht, um sie nachhaltig und resilient zu entwickeln. 

„Im Projekt haben wir diese Schrumpfungsprozesse aus historischer, geografischer, planerischer, ingenieur-, sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Sicht betrachtet“, sagt die Kaiserslauterer Professorin. „Wir haben etwa verglichen, wie verschiedene Städte diese Probleme handhaben.“ So hat Norma Schemschat, die als Doktorandin an der an der École Normale Supérieure Paris forscht, anhand der rheinland-pfälzischen Stadt Pirmasens untersucht, welche Rolle die Migration in diesen Städten spielt und wie Geflüchtete etwa zum wirtschaftlichen Aufschwung beitragen können. In einem weiteren Teilprojekt ging es beispielsweise darum, wie die mexikanische Stadt Mineral de Pozos und die französische Stadt Vitry-le-François den Ökotourismus als Chance nutzen können. Eine andere Arbeit hat sich damit befasst, wie die niederländische Stadt Heerlen die Bevölkerung bei Entscheidungen zur Stadtentwicklung beteiligt. „Unsere gewonnenen Erkenntnisse können in neue interdisziplinäre Konzepte zur Stadtplanung einfließen“, sagt Pallagst. „Schrumpfung kann so künftig auch als Chance verstanden werden.“ 

Ein weiteres Ziel des Projektes ist es, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern und zu qualifizieren: In einer Graduiertenschule haben 13 Doktorandinnen und Doktoranden in diesem internationalen Netzwerk geforscht und ein strukturiertes Trainingsprogramm erhalten. „Sie können als künftige Führungskräfte in Behörden, Forschungseinrichtungen oder Unternehmen die Thematik innovativ angehen“, so Pallagst.

An der TU Kaiserslautern waren drei Promovierende in das Vorhaben eingebunden: Bozhidar Ivanov hat sich etwa damit beschäftigen, wie schrumpfende Städte auch als Chance gesehen werden können und welche Entscheidungen sie dazu treffen müssen, um Schrumpfungsprozesse smart zu gestalten. Seine Kollegin Agnes Matoga hat sich mit sogenannten Governance-Strukturen befasst, also damit wie schrumpfende Städte gesteuert werden. Zudem hat Simone Di Pietro sich in seiner Promotion mit grünen Wirtschaftszweigen für eine nachhaltige Kommunalentwicklung befasst. 

Am ersten Tag der Konferenz gibt es eine englischsprachige Podiumsdiskussion, zu der auch Interessierte eingeladen sind. Thema ist „Schrumpfende Städte – auf dem Weg aus der Krise zur Resilienz?“. Es diskutieren Mart Grisel (Direktor des European Urban Knowledge Network in den Niederlanden), Chiara Lucchini (Urban Lab Turin), Horacio Terraza (Weltbank) und Oliver Weigel (Bundesministerium für Umwelt und Bau). Moderiert wird das Gespräch von Helen Mulligan (Direktorin von Cambridge Architectual Research Ltd.). Die Diskussion kann auch online unter https://livestream.uni-kl.de/?stream=Shrinking_cities_revived verfolgt werden. Die Abschlusskonferenz findet als hybride Veranstaltung auf dem Campus und online statt. Sie wird von der Bertelsmann Stiftung und dem universitärer Potentialbereich der TUK „Region & Stadt“ gefördert. Organisiert hat sie Professorin Pallagst mit ihrem Team.

Wie lässt sich die Lebensqualität in schrumpfenden Städten verbessern?